Wieviel Empathie habe ich?

„Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen bist“  (Indianisches Sprichwort)

Empathie was ist das?

Wie ist das mit deiner Empathie? Fragst du dich, ob dein Partner zu wenig Empathie hat, weil du meinst, dass er dich nicht richtig versteht? Beschäftigt dich die schwierige Situation deines Kindes in Kita oder Schule. Hast du das Gefühl, es wird nicht so richtig wahr genommen und erhält oft nicht, was es wirklich für seine emotionale Entwicklung braucht?

Wenn dir jemand sagt, du bist empathisch, dann spricht er damit deine Fähigkeit an, dich in andere Menschen mit ihren Einstellungen, Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen einfühlen zu können. Diese Bedeutung leitet sich von dem griechischen Wort empatheia ab. Übersetzt heißt das „Einfühlung“. Damit wird dein einfühlendes Verständnis umschreiben.

Empathie schenkt Beziehungen in Balance.
Deine Empathie zu deinem Partner vertieft und harmonisiert eure Beziehung. Durch empathische Empfindungen fühlt ihr euch gemeinsam wohler. https://pixabay.com/de/users/pixel2013-2364555pixel2013

Wo entsteht meine Empathie?

Wenn du angelächelt wirst, lächelst du dann fast automatisch zurück? Was empfindest du dabei? Spürst du die Freundlichkeit des anderen? Oder…wenn dein Kind beim Roller fahren hinfällt und sich am Knie verletzt, zuckst du dabei auch zusammen und fühlst die Energie des Schmerzes? Die Intensität deines Empfinden von Mitgefühl bringt dich in eine stärkere Beziehung zum anderen.

Empathie lässt sich also als deine eigene, beobachtende Reaktion, auf den Ausdruck von Emotionen des anderen Menschen, beschreiben. Dabei starten bestimmte Prozesse in deinem Gehirn. Nach Erkenntnissen des Hirnforschers Christian Keysers wird deine Fähigkeit Mitgefühl zu äußern im motorischen Cortex deines Gehirns ausgelöst.

Hier befinden sich deine Spiegelneuronen. Sie geben dir die Chance, andere Menschen ganz spontan und intuitiv zu verstehen. Das heißt also, unmittelbar, ohne dass du besonders nachzudenken brauchst, kannst du dich über deine Spiegelneuronen in den Anderen hineinfühlen und seine emotionalen Zustände und Gedanken verstehen.

Wie kann ich meine Empathie zeigen?

Deine Fähigkeit dich in andere hinein zu versetzen wird von Psychologen auch als Handeln aus Sympathie bezeichnet. Damit ist  spontan geäußerte Zuneigung gemeint. Von dem lateinischen Wort sympathia und aus altgriechischen Wort sympátheia, leitete sich die deutschen Begriffe Mitgefühl und mitleiden ab.

Grundsätzlich werden drei Bereiche der Empathie unterschieden:

  • Emotionale Empathie
  • Kognitive Empathie
  • Soziale Empathie

Deine Fähigkeit zur emotionalen Empathie bezieht sich mehr auf dein Vermögen das gleiche zu empfinden, wie der Mensch den du beobachtest, dir signalisiert. Deine Befähigung zur kognitiven Empathie geht darüber hinaus und beschreibt zusätzlich dein Verständnis für die Gedanken und Absichten anderer Menschen und deine Schlussfolgerungen bezogen auf ihr Verhalten.

Deine soziale Empathie erweitert deine empathischen Fähigkeiten um einen weiteren Schritt. Hierbei geht es um dein Verständnis und deine konstruktive Kommunikation, bezogen auf umfassende soziale Gesamtsituation von Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften und Werthaltungen.

Dein Kind ist mit dir schon im Mutterleib empathisch verbunden.
Deine empathische Verbindung mit deinem Kind ist etwas ganz besonderes. https://pixabay.com/de/users/StockSnap-894430/StockSnap

Wie kann ich meine Empathie zeigen?

Wenn du am anderen und seiner Welt, in der er lebt, ehrliches Interesse hast und offen auf ihn zugehst, zeigst du ihm damit, dass du ihn gut verstehen kannst und mit ihm empfindest. So fühlen sich die Menschen in deinem Umfeld von dir angenommen und gehen ebenfalls herzlicher, freundlicher und interessierter auf dich zu.

Empathie zeigt sich im Mitfühlen ohne mit zu leiden. Anteil an den Gefühlen und der Situation des anderen Menschen kannst du durch aktives Zuhören und aktives Nachfragen äußeren. Du zeigst deinem Gegenüber durch deine Gestik, Mimik und eine zugewandte Körperhaltung, dass du ihm deine ganz besondere Aufmerksamkeit schenkst und ihm verständnisvoll zuhörst.

Das richtige Maß an Empathie für dein eigenes Wohlgefühl, findest du im Vertrauen auf deine eigene Intuition und dem Wissen, deine empathischen Impulse auch mal zu hinterfragen. So gelingt dir über deine innere Verbindung zu dir selbst eine ausbalancierte Verbindung zum anderen.

Hier findest du eine Liste mit Empathie – Impulsen:

  • Vorurteilsfrei auf andere zugehen
  • Offen sein
  • Menschen und Umfeld beobachten
  • Situation des anderen beleuchten
  • Interesse zeigen
  • Zeit nehmen
  • Geduld haben
  • Empathie wachsen lassen
  • Mitgefühl zeigen
  • Verständnis ausdrücken
  • Auf Mimik, Gestik und Körpersprache achten

Warum Empathie für dich wichtig ist?

Empathie wirkt sich harmonisierend auf all deine Beziehungen aus und kann dir in deinem Job mehr Erfolg bringen. Mögliches Konfliktpotential sinkt und durch dein einfühlendes Verständnis für die augenblickliche Situation deines Partners oder die schulischen Probleme deines Kindes. Damit verbessert sich die zwischenmenschliche Atmosphäre. Konflikte lassen sich so leichter lösen.

Damit lassen sich in deiner Familie oder an deinem Arbeitsplatz bessere Kompromisse finden. Das Stresslevel in deinen Beziehungen sinkt.  Empathisches Miteinander vertieft deine Freundschaften und macht sie haltbarer. Ohne Empathie könnten deine Freundschaften gar nicht entstehen.

Sicher brauchst du selbst auch manchmal emotionale Unterstützung. Wie fühlst du dich, wenn dir jemand empathisch begegnet? Fühlst du dich erleichtert, atmest auf und kannst deine Schultern wieder lockern? Findest du mehr Nähe zu dem Menschen, der dir empathisch begegnet. Sicher suchst du im Gespräch mit ihm mehr Augenkontakt und kannst selbst wieder strahlen.

Warum ist Empathie für deine Kinder wichtig?

Die Fähigkeit zur Empathie gilt bei Wissenschaftlern immer mehr als Voraussetzung für ein erfolgreiches Leben. Der Forscher Dr. Brad M. Farrant von der University of Western in Perth/Australien sagt dazu: „Die Fähigkeit, sich in andere ­hineinzuversetzen, spielt in der heutigen Gesellschaft eine Schlüsselrolle.“

Eine Grundeigenschaft zum Erlangen empathischer Fähigkeiten ist die Wahrnehmung der eigenen Gefühle. So kannst du als Mutter oder Vater deinem Kind helfen empathisch zu sein, wenn du, im Gespräch mit ihm, seine Gefühle benennst, z. B. mit Sätzen wie:“ Da kommt die Mami wieder nach hause, freust du dich?“ Oder:“ Hast du dich erschrocken,“ wenn ein lautes Auto vorbeifährt.

Für dein Kind bist du selbst das beste Vorbild zum Erlernen von Empathie. Schon im Mutterleib und während der ersten Wochen nach der Geburt entwickelt ihr beide das lebenswichtige, bindende und festigende Urvertrauen. Über eure emphatische Beziehung und durch Beobachtung deiner Empathie für andere, lernt dein Kind selbst Empathie zu entwickeln.

Kinder zeigen gerne Empathie für Menschen und Tiere.
Empathie ist für ein erfolgreiches Leben deiner Kinder besonders wichtig und fördert ihre Konfliktkompetenz. https://pixabay.com/de/users/SilkeHeisterkamp-971423/SilkeHeisterkamp

Was ist Empathie bei deinen Kindern?

Vielleicht hast du es selbst schon bei deinem Baby beobachtet. Schon sehr früh beginnt es mit zu weinen, wenn es ein anderes weinendes Baby sieht. Jedoch fand die Entwicklungspsychologin wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Psychologie in Münster Silvia Wiedebusch heraus, dass es sich bei dieser Kompetenz um mehr um eine Gefühlsansteckung handelt.

Für die Entwicklung empathischer Fähigkeiten ist es für dein Kind besonders wichtig, während der Trotzphase sein Ich – Bewusstsein zu entfalten. Vorher empfand sich dein Baby eins mit dir. Doch während der Autonomiephase, so ca. mit zwei Jahren, erlebt dein Kind sich selbst als eigenständiges Wesen und kann aus seiner eigenen Perspektive auch pro-soziales Verhalten zeigen.

Über die Entdeckung seines eigenen Willens und seinem starken Bedürfnis nach Selbstbehauptung und Unabhängigkeit,ist dein Kind erst in der Lage bewusst Mitgefühl für andere Menschen und Tiere wahrzunehmen. Diesen gesunden, empathischen Entwicklungsprozess bei deinem Kind kannst du mit deinem eigenen liebevollen, einfühlenden Verständnis,  wirksam unterstützen.

Wie macht Empathie deine Kinder stark?

Empathie hilft deinem Kind besser und erfolgreicher mit möglichen Konfliktsituationen in seinem Umfeld umgehen zu können. Sie entwickeln dabei mehr Problemlösungskompetenz und Selbstvertrauen. Durch ihren besseren Kontakt zu anderen Menschen erfahren sie eine gute emotionale Entwicklung und fühlen sich in ihrem Sein stärker angenommen.

„Je besser unser Kontakt zu uns selbst ist, desto tiefer kann unser Verständnis für andere sein“, postulierte der dänische Familientherapeut Jesper Juul. Er plädiert dafür, den Kompetenzen des Kindes von Geburt an zu vertrauen. Juul sieht einen entscheidenden Einfluss für die Entwicklung der angeborenen Kompetenzen des Kindes in der Gestaltung der Elternbeziehung.

Es gibt viele Erziehungsmodelle. Jedoch gelingt deinem Kind empathisches Verhalten am besten, wenn du es intuitiv erziehst. So kannst du ganz authentisch, wertschätzend und empathisch auf die Gefühle, Bedürfnisse und Verhaltensweise deines Kindes eingehen. Dein Kind lernt ganz natürlich Empathie an deinem eigenen Vorbild und eure Beziehung vertieft sich.

Was bedeutet meine Empathie in der Pflege?

Wenn du in der Pflege oder im sozialen Bereich arbeitest, ist eine gute, empathische Beziehung zu den Menschen und ihrem Umfeld eine grundlegende Voraussetzung für ein erfolgreiches Gelingen deiner Tätigkeit. Einfühlung kann aber auch in empathischen Stress münden und dich überfordern.

Für pflegebedürftigen oder sozial betreute Menschen ist dein Job gut getan, wenn sie sich verstanden fühlen. Empathie verbessert deine Zufriedenheit am Arbeitsplatz und steigert Heilungsprozesse bei Patienten, sowie Entwicklungsprozesse bei betreuten Kindern und Erwachsenen.

Um in helfenden Berufen nicht empathisch zu erschöpfen, kann dir die Fähigkeit zu mentalisieren helfen. Mentalisierung bedeutet, deine empathischen Beobachtungen zu reflektieren und Gefühle, Gedanken und Empfindungen aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen und zu äußeren.

Was hat meine Empathie mit Moral zu tun?

Grundsätzlich setzt Empathie moralisches Handeln voraus. Sie ist also ein reines Empfinden über die Beobachtung der Gefühle des anderen. Jedoch kann dich dein einfühlendes Verständnis auch an moralische Grenzen bringen. Darum solltest du dein Mitgefühl mit deinem Verstand verbinden.

Damit dich deine spontan empfundene Empathie nicht unbewusst über moralische Grenzen zieht, hilft es dir möglicherweise, einen Blick auf die „Empathie-Altruismus-Hypothese“ des Psychologe C. Daniel Batson von der University of Kansas, zu werfen.

Batson zeigte in seinem bekannten Elaine-Experiment , dass wir für andere eher Partei ergreifen, wenn wir uns mit ihnen verbunden fühlen. Deine sofort empfundene Verbundenheit fördert deinen altruistischen Impuls, dem beobachten Menschen zu selbstlos helfen zu wollen.

Empathielosigkeit lässt tiefe, harmonische Beziehungen nicht zu.
Empathielosigkeit wirkt sich sehr belastend auf die emotionale Bindung deiner Beziehungen aus. https://pixabay.com/de/users/Takmeomeo-375120/Takmeomeo

Empathielos was heißt das für dich?

Empathielosigkeit bedeutet ein Fehlen der Empathiefähigkeit. Diese Erscheinung kannst du mit der Persönlichkeitsstörung  Narzissmus beschreiben. Diese Perspektive klingt nicht so lustig. Denn in deiner Beziehung mit dem empathielosen Menschen geht eine besonders wichtige Qualität verloren.

Deine Empathie für einen Narzissten kommt nicht so an, dass du dich unbewusst und unmittelbar mit seiner Reaktion wohl fühlst. Es kann dich schocken und belasten, wenn dein Ausdruck von einfühlendem Verständnis lieblos und respektlos abgewertet wird. Möglicherweise vermittelt dir der Narzisst auch, dass deine Wahrnehmung falsch ist und nur seine stimmt.

Sollte die Empathielosigkeit des anderen narzisstisch begründet sein, so ist die psychischen Ausdrucksform dieser Persönlichkeitsstörung extrem stabil und kann im günstigsten Fall nur therapeutisch oder mit Medikamenten verbessert werden. Versuche dann mehr loszulassen, gelassener zu werden und wieder mehr deiner Wahrnehmung zu vertrauen.

Wie entsteht Empathielosigkeit?

Im Kontakt mit einem Empathen verwirrt dich, dass er besonders gefühllos deine inneren Grenzen und deine Wahrnehmung missachtet. Sei dir bewusst, dass du nicht daran schuld bist und sein Verhalten auch nicht ändern kannst. Hole dir sofort kompetente Hilfe, wenn es dir mit seinem Verhalten schlecht geht.

Kent Kiehl, ein Neurowissenschaftler von der Universität in New Mexico, begründet die gefühllose Welt des Narzissten mit einem Defekt in seinem paralimbischen System im Gehirn. Es ist für deine emotionale Wahrnehmung menschlicher Erfahrungen da. Ohne Einfühlungsvermögen begünstigt es ein Leben ohne Mitgefühl.

Dieser Teil deines Gehirns bildet somit die Voraussetzung für dein Empathieempfinden.  Es ist aber auch für andere Aufgaben wie zum Beispiel die Impulskontrolle und die moralische Entscheidungsfähigkeit verantwortlich. Bei Narzissten wurde dieses System als weniger aktiv als bei anderen Menschen erkannt.

Wie kann ich meine Empathie fördern?

Um deine Empathiefähigkeit zu fördern und auch in deinem Umfeld (Partnerschaft, Familie, Freundeskreis, am Arbeitsplatz) für empathisches Verhalten zu sensibilisieren, veranstalte doch z.B. einfach mal einen Spiele – oder Vorlesenachmittag oder – abend. In einer netten Runde macht es Spaß eure empathischen Fähigkeiten zu trainieren.

Hier habe ich dir einige Empathie  – Spiele und Vorleseanregungen aufgelistet:

Es kann eine schöne, lohnenswert Erfahrung für dich und deine Lieben sein, euch mit mehr Empathie zu umgeben. Jedoch solltest du dir Zeit in eurem Prozess zu mehr Empathiefähigkeit lassen und geduldig sein. Empathisches Verhalten darf langsam wachsen. Spüre auch deine emotionalen Grenzen und bleibe ganz bei dir und deinen eigenen Gefühlen.

Fazit

Empathie ist eine ganz besonders wichtige und wertvolle Fähigkeit, die zwischen Mutter und Kind schon im Mutterleib beginnt und sehr grundlegend für seine ganzheitliche, gesunde Entwicklung wirksam ist. Empathie vertieft deine Beziehungen und bringt dir mehr Erfolg im Job. Die Fähigkeit zu einfühlendem Verständnis ist nicht bei allen Menschen gleich ausgeprägt.

Deine Spiegelneuronen sorgen dafür, dass du bei Beobachtung des Verhaltensausdrucks eines anderen Menschen Empathie empfinden kannst. Bestimmte Gehirndefekte begünstigen jedoch auch eine Empathielosigkeit und fehlendes Mitgefühl.

Empathie lässt sich bei dir und den Menschen in deinem Umfeld auch spielerisch trainieren. Dazu gibt es verschiedene Spiele und Bücher zum kuscheligen Vorlesen oder mit Übungen für Kinder und Erwachsene. Dein Bewusstsein für deine Selbst – und Fremdwahrnehmung wird sensibilisiert.

Die Chancen und Grenzen von Empathie bewusst wahrzunehmen hilft dir, dich in deiner Gemeinschaft mit anderen Menschen wohl zu fühlen und empathische Grenzüberschreitungen oder Überforderungserscheinungen schnell und intuitiv auszugleichen zu können.

Weiterführende Medien

 

 

 

 

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